Arbeiten, wo ich gerne bin – Gerne dort sein, wo ich arbeite

Home / Blog / Arbeiten, wo ich gerne bin – Gerne dort sein, wo ich arbeite
Arbeiten, wo ich gerne bin – Gerne dort sein, wo ich arbeite

Mein Traum vom digitalen Nomadentum II

Wie? Du arbeitest im Urlaub? Bist du irre?

So ziemlich jeder, dem ich zum ersten Mal erzähle, was ich tue

Kürzlich war ich endlich wieder einmal auf einer meiner vielen Lieblingsinseln: Wangerooge. Die kleine Nordseeinsel mit ihrem rauen, maritimem Klima und der angenehmen Ruhe ist immer wieder Labsal für Körper und Geist. Mit der gesamten Patchworkfamilie und dem Hund verbrachte ich eine Woche dort. Was dabei weder mir noch den anderen unangenehm auffiel: Ich habe gearbeitet.

Mein Tagesablauf sah in etwa so aus: Gegen sieben Uhr früh aufstehen und erst einmal mit dem Hund raus. Eine Stunde über den Strand laufen, dann zum Bäcker und Brötchen für das Frühstück holen. Wenn ich so gegen 08:30 Uhr wieder in die Ferienwohnung kam, lag die Familie meist noch im Bett. Also: Freie Bahn für eine Arbeitseinheit.

Gegen elf waren dann alle Familienmitglieder aus dem Bett gekrochen und es gab Frühstück. Nach einem ausgedehnten Strandspaziergang und dem obligatorischen Fischbrötchen auf die Faust war in der Regel die zweite Runde Arbeit fällig. Die Auftraggeberin wohnte auf der Insel, so dass die Wege kurz und der Job entsprechend angenehm ausfiel. Nachmittags rappelte sich die Famile meist noch einmal auf und wir marschierten ein weiteres Mal über den herbstlichen Strand, bevor ich mich um das Abendessen kümmerte.  Spätabends dann, mit „Supertalent“ oder ähnlich unterhaltsamen Fernsehsendungen im Hintergrund, bot sich die Gelegenheit für eine Spätschicht.

Warum erzähle ich das?

Arbeiten im Urlaub kann ein empfindliches Minenfeld sein. Insbesondere, wenn der Partner oder gar die Familie dabei ist, sind Konflikte meist nicht weit, wenn man als Freiberufler den Job mitgenommen hat.

Das Leben als digitaler Nomade genießt bei Unbeteiligten einen geradezu legendären Ruf. Bilder vom Leben in der Hängematte am palmengesäumten Strand, den Laptop lässig auf dem Schoß, tauchen vor dem inneren Auge derer auf, die ihren grauen, immer gleichen from 9 to 5 – Büroalltag längst heimlich verfluchen. Dass auch das ortsunabhängige Arbeiten an attraktiven Orten eine Fülle von Regeln, umfangreiche Vorbereitungen und natürliche Grenzen beinhaltet, lassen einen solche Vorstellungen oft vergessen.

Insbesondere, wenn man gemeinsam mit der Familie unterwegs ist, müssen im Vorfeld die jeweiligen Bedürftnisse und Erfordernisse besprochen, gegeneinander abgewogen und schließlich ein allgemein anerkannter Konsens gefunden werden. Mit Papa am Strand spielen wollen ist für Kinder ein legitimer Wunsch und wichtiger Bestandteil eines Familienurlaubes. Aber: Genauso unerlässlich ist es bei einem selbstbestimmten und ortsunabhängigen Arbeitsleben, dass Papa sich nach drei, vier Stunden Sandburgen bauen und in den Wellen toben wieder an den Laptop setzt und eine Arbeitseinheit einschiebt. Mach dir keinen Kopf, Kinder verstehen eine ganze Menge, die Erwachsenen völlig abwegig erscheint – sie werden auch das verstehen. Wenn, ja wenn auch der Partner mitspielt und den Nachwuchs während der Arbeitszeiten übernimmt. Das ist nämlich das allerwichtigste bei der ganzen Sache. Ohne einen Partner, der diesen Lebens- und Arbeitsstil uneingeschränkt unterstützt, brauchst du eigentlich gar nicht erst antreten.

Wenn du also auch im Familienurlaub mobil arbeiten willst, besprich vorher mit deinem Partner und deinen Kindern, wie eure Tage aussehen sollen und wieviel Raum du der Arbeit geben willst oder musst.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass Kinder damit sehr wenig Probleme haben und die Unterbrechungen schnell akzeptieren. Also nur Mut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.