Mein erster Urheberrechtsstreit

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Mein erster Urheberrechtsstreit

Wozu eigentlich arbeiten, wenn man auch klagen kann?

Flickr ist eine ausgesprochen praktische und vielseitige Bilderplattform des Internet-Urgesteins Yahoo. Man bekommt dort kostenfrei ein Terabyte Speicherplatz und kann seine Bilder hochladen. Sei es für private Zwecke, als Bilder-Lager oder professionell, um seine Fotos zu bewerben. Es gibt weiterhin verschiedene Lizenzmodelle, unter denen einzene Bilder zur kostenfreien Nutzung freigegeben werden können. Das ganze nennt sich Creative Commons und bietet Nutzern – wie z.B. Webdesignern – die Möglichkeit, kostengünstig und unter Beachtung weniger, einfacher Regeln diese Bilder zu verwenden.

Doch halt:  Hin und wieder trifft man auf einen Schlaukopf, der genau daraus ein Geschäft machen will.

Ich verwende gern Bilder, die ich bei Flickr heruntergeladen habe, denn sie sind oft sehr professionell gemacht, kosten nichts und die Einhaltung der Lizenzbedingungen sind einfach. So auch kürzlich, als ich ein aussagekräftiges Bild für einen Artikel über IT-Recht brauchte: Bild suchen, herunterladen, zuschneiden, Fotograf und Lizenz im Impressum nennen und verlinken – fertig. Business as usual.

Sein Urheberrecht zu wahren ist legitim, aber…

Aber – ich hatte die Rechnung ohne den Fotografen gemacht. Dieser war der Meinung, ich dürfte sein Bild zwar verwenden, müsste die Quelle allerdings direkt im oder am Bild nennen. Das ließ er mich dann auch prompt durch seinen Anwalt wissen, der mich zum Schnäppchenpreis von rund 1500 € abmahnte. Der Überweisungsträger lag dem Schreiben freundlicherweise gleich bei.

So. Was jetzt?

Nach kurzer Rücksprache mit einem Anwalt meiner Rechtsschutzversicherung war klar, so einfach kommt der Mann mit seinem Ansinnen nicht durch. Die Quelle ins Bild zu schreiben verbietet sich, denn die Lizenz, unter der es veröffentlicht wurde, lässt dessen Manipulation nicht zu. Außerdem ist es technisch nicht möglich, auf diese Weise Links zur Bilderquelle und zum Lizenztext zu legen, was die Lizenz explizit verlangt. Davon abgesehen geht es aus dem Lizenztext nicht hervor, dass das überhaupt erforderlich ist; ebensowenig wie die Notierung der Quelle am Bild.

Impressum as Impressum can

Stattdessen ist es nach Ansicht vieler Anwälte (inklusive der Anwältin, die mich in dieser Sache inzwischen vertritt) absolut ausreichend und daneben auch üblich, Bilderquellen im Impressum einer Website zu nennen, denn:
Genau dafür ist ein Impressum da!

Mit dieser Argumentation wehre ich mich derzeit gegen das Ansinnen unseres Freundes, mit ausgelegten Ködern schnelles Geld zu machen. Wie die Sache ausgehen wird, bleibt abzuwarten und liegt in den Händen einer großen, Hannoverschen Kanzlei für IT-Recht. Ärgerlich ist das allemal, denn selbst wenn ich die Abmahngebühr nicht zahlen muss, kommen Anwaltskosten in dreistelliger Höhe auf mich zu.

Stockfotos als kostenpflichtige Alternative

Wie soll man sich also verhalten? Ich selbst bin nach wie vor der Meinung nichts falsch gemacht zu haben, aber wie man sieht, kann allein die eigene Meinung manchmal nicht ausreichen. Vorsichtigen Naturen empfehle ich deshalb, auf Flickr als Bilderquelle zu verzichten und lieber auf kostenpflichtige Stockfoto-Plattforman wie Fotolia oder istockphoto zurückzugreifen. Bei der Verwendung von Fotos anderer, kostenfreier Quellen kann es sich lohnen, vor der Benutzung eines Bildes einfach mal nach dem Namen des Fotografen zu googeln. Im vorliegenden Fall ergab das – leider erst nachdem mich der Urheber des fraglichen Bildes angekackt hat abmahnen lassen – eine Fülle von Suchergebnissen, die jeden, der auch nur halbwegs bei Trost ist, von einer Verwendung Abstand nehmen ließe. Der Gute ist nämlich in der Szene längst als schlimmer Finger bekannt.

Aber, weil´s gerade so schön ist: Das Bild der Leberwurst im Header dieses Artikels habe wiederum ich bei Flickr veröffentlicht. Es ist gemeinfrei, darf also ohne Einschränkung verwendet werden. Also, nur zu 🙂

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