I, Nomad

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Mein Traum vom digitalen Nomadentum I

Ich habe mich nie damit anfreunden können, was gemeinhin als ein geregeltes Arbeitsleben angesehen wird. Du stehst morgens auf, machst dich büro – oder, wie in meinem Fall, außendienstfein (Anzug, weißes Hemd, Krawatte), fährst in die Firma bzw. zu deinen Kunden und verrichtest deinen Dienst. Von neun bis fünf, 220 Tage im Jahr, ein Arbeitsleben lang. Schrecklich!

Lange ausgehalten habe ich es nirgendwo. Machtbesessene Chefs, neurotische Kunden und Kollegen, geisttötende Routine oder eine Arbeit, die nichts mit mir zu tun hatte – es gab viele Faktoren, die mir immer wieder aufs Neue die viel zitierte Freude am Job verhagelten.

Schließlich machte ich mich selbstständig – und beging prompt alle Fehler, die man als Anfänger begehen kann. Es mangelte mir an Disziplin, und meine jugendlich-unbekümmerte Art signalisierte den Kunden häufig, dass ich zwar ein netter Kerl, es mir mit der Auftragserteilung allerdings nicht so dringend war.

Das Unvermeidliche trat ein: Ich geriet in finanzielle Schwierigkeiten und musste mich verändern, wollte ich nicht sehenden Auges vor die Wand fahren, die sich vor mir auftat.

Schritt eins: Die Krise als Chance zur Veränderung begreifen

Aus schierer finanzieller Not tat ich etwas, wovon ich immer gesagt hatte, dass es für mich nicht in Frage käme: Ich ließ mich von einem Headhunter anheuern. Überraschend kurz darauf fand ich mich als Freelancer in den Diensten eines großen Energieversorgers in Düsseldorf wieder. Der Job war allerdings auf zwei Monate begrenzt, ein dauerhafter Umzug schied also aus. Ich musste pendeln.

Schritt zwei: Ein Basislager schaffen

Ich besorgte mir also eine günstige, tageweise zu mietenede Bleibe – ein möbliertes Zimmer unterm Dach, das sich als erster Volltreffer in meinem neuen Leben erweisen sollte, denn es lag mitten in der Düsseldorfer Bolkerstraße, der berüchtigten „längsten Theke der Welt“. Für Abwechslung und Amüsement war also schon mal gesorgt.

Schritt drei: Vor Ort mobil sein

… und die vorhandenen Ressourcen nutzen

Mobilität war das nächste Thema, denn ich musste regelmäßig vom Hauptbahnhof zur Wohnung und von dort aus in die Firma kommen. Die jeweiligen Distanzen lagen bei einigen wenigen Kilometern, und das Gepäck der Woche zu transportieren hatte ich auch noch. Ein Auto besaß ich nicht und konnte es mir auch nicht leisten, also musste ich mir was anderes überlegen.

Ich entschied mich für ein Klapprad und Trekking-Satteltaschen. Zugegeben, eine höchst uncoole Art sich fortzubewegen, aber dabei so fürchterlich praktisch, dass ich bereits nach der ersten Woche vor Ort jede andere Alternative als zu teuer, zu unflexibel und zu unelegant verwarf. Mein Gepäck (inklusive natürlich meines Laptops) passte genau in die beiden Satteltaschen, das zusammengelegte Klapprad verpackte ich in eine riesige Tasche, die eigentlich für Gartenabfälle gedacht war (so galt es als Reisegepäck und ich konnte es im ICE transportieren). Unverzichtbare Accessoires, sowohl hierfür als auch ganz allgemein im mobilen Leben: Duct Tape und ein wirklich gutes Messer. Das eine, um Klapprad und Tasche zu fixieren, das andere, um diese Fixierung auch wieder lösen zu können.

Schritt vier: Unnötige Transporte vermeiden

Viele Bahnhöfe bieten übrigens Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an. Es empfiehlt sich, seinen Drahtesel dort unterzustellen, wenn man zwischenzeitlich, z.B. übers Wochenende oder zwischen zwei Jobs, nach Hause fährt.

Ebenso ist es eine gewaltige Erleichterung, ein Lager für verschiedene Gepäckstücke oder – idealerweise – sein gesamtes Gepäck für Abwesenheitszeiten zu finden. Als ich in Berlin bei einem bekannten Versandhaus arbeitete (ja, die, die immer so schreien vor Glück), wohnte ich ausgesprochen komfortabel in dem kleinen Gäste-Bungalow einer Kirchengemeinde. Der Pfarrer war so freundlich mir zu erlauben, alle meine Sachen dort zu lassen, wenn ich nicht da war – solange in der Zwischenzeit keine anderen Gäste dort waren. Fragen kostet nichts, das ist ganz wichtig!

Schritt fünf: Anfangen!

Das Geheimnis aller aufregenden Dinge liegt im Machen, nicht im machen wollen. Also: Jetzt, wo du alles hast, nimm dein Herz in die Hand, verlasse deine Komfortzone und fang an! Du wirst es entweder sofort hassen oder es niemals bereuen.

… to be continued.

 

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